AIDS (HIV) ist erstmals in den USA in den frühen 1980ern aufgetaucht. Ausgeschrieben bedeutet die Abkürzung „Angenommenes Immun Defekt Syndrom“. Der Ursprung ist jedoch ungeklärt.

Zu Anfang wurde das HI-Virus „gay cancer“ genannt, da es eine primäre Ausbreitung unter homosexuellen Männern gab. Die Infizierung des Virus erfolgt meist durch Kontakt zwischen homosexuellen Männern und Drogennutzern, welche eine Injektion nutzen. Dort kann es passieren, dass sich durch die Weiternutzung der Injektion Restblut in der Nadel befindet und dieses intravenös weitergegeben wird.
Allgemein erfolgt eine Übertragung durch Blut, Spermien, Vaginalsekret, Darmsekret und Muttermilch. Das Virus selbst schwächt das Immunsystem und lässt es herunterfahren. So passiert es, dass man öfter an Krankheiten erkrankt. Damals gab es einen zügigen und baldigen Tod, da es noch keine Optionen zur Behandlungen von AIDS gab. Heute gibt es zum Schutz gegen AIDS drei verschieden Optionen.

Für den Eigenschutz gegen das AIDS-Virus ist der Gebrauch eines Kondoms immer noch der beste Schutz. Wenn man wissentlich sexuellen Kontakt mit einem an AIDS Erkrankten haben möchte, gibt es weiter noch die Möglichkeit, prophylaktisch ein Medikament innerhalb von 48 Stunden nach dem Kontakt zur Präexpositionsprophylaxe (PREP) einzunehmen, um sich entweder nicht mit dem Virus anzustecken oder es unschädlich zu machen. Das gilt auch für den Fall, dass man einen Sexualkontakt mit einem an AIDS Erkrankten hatte und die Kenntnis darüber erst später erlangt oder auch nur eine begründete Vermutung hat, dass man sich mit AIDS infiziert haben könnte.

Nach diesen 48 Stunden dockt das Virus im Blut an und der Mensch kann sich an dem Virus infizieren. Zudem sind Selbsttests in Apotheken rezeptfrei erhältlich. Diese erfolgen über einen kleinen Bluttest. Die Symptome sind anfangs ein unerklärliches, hohes Fieber. Danach geschieht lange nichts, bis eine starke Krankheit, wie beispielsweise Krebs, ausbricht. Aufgrund dessen bleibt HIV oft unerkannt, da sich Menschen selten aktiv testen lassen. Wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wird, dann gibt es die Möglichkeit für eine sofortige und lebenslange Therapie. Diese beinhaltet eine tägliche Medikation und eine regelmäßige Therapie und Blutkontrolle.

Mittlerweile haben an AIDS Erkrankte im Gegensatz zu früheren Zeiten, wo Menschen mit AIDS wie Aussätzige behandelt wurden und jeder einen großen Bogen um sie herum machte, sie sogar in Arzt- und Zahnarztpraxen die letzten Termine bekamen, damit nicht zwischendurch alles desinfiziert werden musste, wieder einen festen Platz in der Gesellschaft, ohne Diskriminierung.
Es gibt Medikamente, die AIDS zwar nicht heilen, jedoch eine Remission für die Krankheit erreichen können und dafür Sorge tragen, dass der Virus nicht mehr ansteckend ist. Die Medikamente wirken so gut, dass man niemanden mehr wissen lassen muss, ob man an AIDS leidet oder nicht.

Rainer Jarchow-Ehlers wurde als erster Leiter der AIDS-Seelsorge berufen. Er hatte Theologie studiert und war danach in der AIDS-Hilfe in Köln eher als Streetworker tätig. Er wurde dann der erste AIDS-Pastor in Hamburg, da die Rufe in der Hamburger Gemeinde nach einem AIDS-Seelsorger immer lauter wurden.

Zu Beginn des Pastorates von Jarchow-Ehlers bestand seine Hauptaufgabe darin, Betroffene und deren Angehörige innerhalb des Krankheitsverlaufes und -prozesses zu begleiten. Oftmals plante er mit Betroffenen dessen Beerdigungen und begleitete sie auf dem vor ihnen liegenden Lebensweg, der meist von großem Leid und wenig Zeit geprägt war. In dieser Zeit bestand schlichtweg keine Aussicht auf Heilung oder langfristiges Überleben mit dem HI-Virus – die Diagnose bedeutete ein voraussehbares Ableben. Jarchow-Ehlers hielt viele Gottesdienste ab und organisierte somit die kirchliche Begleitung und Seelsorge in großen Teilen der Hamburger Queer-Community. Die Gottesdienste füllten sich – man wollte selbstverständlich erfahren, welche Menschen aus dem Bekanntenkreis ein verfrühtes Ableben plagte.
So wurde die Evangelische Kirche in der Hochzeit des HI-Virus zu einer Anlaufstelle für die Queer-Community und gab dieser wieder einen Platz in der Gesellschaft – ganz ohne Beschämungen und Vorurteile.

Die heutigen Aufgaben der AIDS-Seelsorge bestehen glücklicherweise nicht mehr primär aus Beerdigungen. Noch immer steht jedoch das Thema Begleitung im Vordergrund.
Besonders queere Menschen aus anderen Kulturen leben oft in großer Sorge um ihre Sexualität und wer von dieser Kenntnis hat. Hier begleitet und schützt die Seelsorge, gibt Sicherheit. Auch Altersarmut spielt eine große Rolle – wenn man davon ausging, bald zu sterben, kümmerte man sich nicht um eine finanzielle Absicherung. Viele ältere Menschen mit einer AIDS-Erkrankung erfahren Armut und (behördliches) Unverständnis. Menschen mit AIDS finden in der Seelsorge eine Anlaufstelle zu Begleitung, Beratung und Beisammensein.
Innerhalb der Seelsorge werden verschiedene Personen eingesetzt – zuallererst Pastor Thomas Lienau-Becker, der dritte AIDS-Pastor Hamburgs. Eine Pastoralpsychologin, eine Sozialarbeiterin und Diakonin, und eine Person, die sich um Organisation kümmert, sind auch dort tätig.

Wichtig ist, so Lienau-Becker, sei „die Fähigkeit, mit Menschen umzugehen und das Unbekannte wertzuschätzen“. In den letzten Jahren geschah innerhalb der evangelischen Kirche viel Gleichstellung von Menschen mit verschiedenen sexuallen Orientierungen und Familienbildern, beginnend mit der Gleichstellung von Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare. In diesem Jahr bekommt die evangelische Kirche einen eigenen Festwagen zum Christopher Street Day – ein Tag, an dem die Queer-Community gefeiert und erlebt wird.

Wir danken der Hamburger AIDS-Seelsorge dafür, dass wir sie besuchen durften und unsere Fragen stellen durften – ohne Vorurteile jedweder Seite. Besonderer Dank gilt Pastor Lienau-Becker.

Ida, Justine, Uta